140-Watt-Röhren-Verstärker mit 4 x EL 34 - "The Rocker"


(Dieses Foto hat nichts mit dem hier beschriebenen Verstärker zu tun; es soll nur ein möglicher Vorschlag sein ..)

Der runde Sound aus der Röhre

Aus der Zeitschrift Elrad, Heft 3 / 1982, von P. Wait / R. Keeley

Seit einiger Zeit häufen sich in der Redaktion die Nachfragen von Musikern und PA-Spezialisten, die sich für einen Röhrenverstärker interessieren. Von Musikern hören wir. daß der legendäre VOX AC30 inzwischen gebraucht mehr als vor 15 Jahren ein neues Gerät kostet.
Diese und andere Gründe veranlaßten uns, die Entwicklung einer Röhren-Endstufe mit der Nennleistung von 100 W in Angriff zu nehmen. Hier ist nun das Ergebnis: eine runde Sache für die Bühne und Stereo-Nostalgie-Fans, robust und betriebssicher.
Die Mode, der Stil und die Trends dieser Zeit ändern sich ständig, doch es gibt auch immer wiederkehrende, gleichbleibende Wünsche; viele Musiker besitzen zum Beispiel eine ausgesprochene Vorliebe für den kräftigen und etwas rauhen Klang von althergebrachten Röhrenverstärkern.
Trotz aller auf der Hand liegenden Vorteile von Halbleiterschaltungen ziehen die Musiker häufig Röhrengeräte vor, weil sie in ihren Ohren 'einfach besser klingen'. Genauso ist es doch auch mit der Vorliebe einiger Leute für eine alte Harley-Davidson oder den Silberpfeil einer bekannten schwäbischen Automobilfirma. Dabei zählt gar nicht, daß moderne Maschinen erheblich verbesserte Eigenschaften aufweisen.
Was die Röhrenverstärker anbetrifft, so gibt es natürlich einige sachliche Gründe dafür, daß sie anders klingen als moderne, mit Halbleitern bestückte Verstärker. Der am meisten genannte Grund ist der, daß Röhrenverstärker vorzugsweise auf der zweiten (geraden) Harmonischen Verzerrungen erzeugen, während bei Transistorverstärkern der Klirrfaktor im wesentlichen durch die dritte (ungerade) Harmonische bestimmt wird.
Doch das ist nicht die ganze Wahrheit: der typische Röhrenklang entsteht durch das Zusammenwirken vieler Einflüsse, unter anderem auch durch die spektrale Balance der verschiedenen Harmonischen. Auch der Verlauf des Klirrfaktors als Funktion der Frequenz, die Ankopplung der Last über einen Transformator (dadurch wird das gesamte Übertragungsverhalten beeinflußt), die hohe Ausgangsimpedanz der Röhrenverstärker (dadurch wird der Lautsprecher weniger bedämpft und klingt 'farbiger') und die bessere Anpassungsfähigkeit an unter schiedliche Lasten (die Fähigkeit, an Lasten mit veränderlicher Impedanz weitgehend gleichbleibende Ausgangsleistung abzugeben) beeinflußt den Klang.
Wenn alle diese Einflüsse schaltungstechnisch in einem Transistorverstärker realisiert werden könnten, würde er sicherlich wie ein Röhrenverstärker klingen. Derartige Versuche sind aber meistens fehlgeschlagen. Ein anderer Weg scheint uns sinnvoller zu sein: Wir bauen nach althergebrachter Methode einen Röhren-Kraftverstärker auf.



Die Schaltung


Anmerkungen: Die im Schaltbild angegebenen Spannungswene können um 10 - 20 % variieren.
Spannungswene ohne Klammern werden ohne Eingangssignal gemessen. In Klammern gesetzte Spannungswerte werden bei einer Ausgangsleistung von 140 Watt gemessen. Anschluß 6 des Ausgangstransformators T1 muß auf Masse gelegt werden. Um die angegebenen Lastvariationen zu ermöglichen, benötigt T1 fünf Ausgangsanschlüsse.

Wichtiger Hinweis : Es stellte sich heraus daß der Elektrolyt-Kondensator C 2, 220 F, der im Eingangskreis an der Kathode der ECC 83 liegt, falsch ist und komplett entfernt werden muß !


Die Schaltung des Verstärkers ist das Ergebnis umfangreicher Überlegungen und Experimente.
Dem Eingangsteil wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Auf eine Trioden-Spannungsverstärkersrufe folgt der Phasendreher, in dem zwei um 180 gegeneinander phasengedrehte Signale erzeugt werden. Damit werden die Treiberstufen angesteuert. Die darauf folgende Endstufe besteht aus 4 Leistungsröhren, von denen jeweils zwei parallel geschaltet sind. Der Verstärker ist in der Lage, an Lasten von 4, 8 und 16 Ohm zu arbeiten und kann auch zwei 4 Ohm-Lasten gleichzeitig speisen.
Die Gegenkopplung erfolgt von der 8 Ohm-Wicklung des Ausgangstransformators zur Kathode der Eingangsstufe. Mit einem Schalter in der Frontplatte des Gerätes kann die Gegenkopplung auch abgeschaltet werden. Dadurch erhöht sich die Ausgangsimpedanz des Verstärkers, und die Dämpfung des angeschlossenen Lautsprechers wird verringert. Dann kann die Lautsprechermembran ein 'stärkeres Eigenleben' entwickeln. Das äußert sich im 'farbigen' Klang, der durch die Eigenfrequenzen der Lautsprechermembran mitbestimmt wird. Normalerweise strebt man bei HiFi-Verstärkern eine niedrige Ausgangsimpedanz an, um die Eigenresonanzen des angeschlossenen Lautsprechers möglichst stark zu bedampfen; damit kommt man dem Wunsch nach weitgehender Wiedergabetreue näher.
Mit eingeschalteter Gegenkopplung erzeugt der 'Rocker' einen sehr sauberen Klang, so daß er als Endverstärker für Baßgitarren und auch in HiFi-Anlagen verwendet werden kann. Ohne Gegenkopplung klingt er bedeutend 'rauher' und erzeugt in Zusammenwirken mit dem Lautsprecher einen deutlich eingefärbten Klang.
Die weiteren in der Frontplatte montierten Bedienungselemente finden sich an nahezu jedem Leistungsverstärker:
Netzschalter, Bereitschaftsschalter (Standby) und Eingangsverstärkung.
Bei Betätigung des Schalters mit der Bezeichnung 'Stumm' wird der Verstärkereingang an Masse gelegt. Auf diese Weise kann der Eingang des Verstärkers ohne Knacken oder Brummen mit anderen Geräten zusammengeschaltet werden. Alle Ein- und Ausgänge sind in die Rückwand eingebaut.
Wir haben für den Eingang eine Klinkenbuchse und für die Ausgänge Bananenbuchsen verwendet. Auf der Rückseite des Gerätes ist jedoch noch genügend Platz für Buchsen nach ihrer Wahl.
Für die Eingangsstufe mußten wir uns zwischen einer Trioden/Pentoden-Röhre (z. B. 6BL8) und einer Doppeltriode (12AX7) entscheiden. Trioden haben den Nachteil einer großen Gitter-Anoden-Kapazität, die zusammen mit dem Anodenwiderstand und in Abhängigkeit von der gewählten Spannungsverstärkung Phasendrehungen bei hohen Signalfrequenzen erzeugt. Dieses Verhalten wird als Millereffekt bezeichnet. Alle Phasenverschiebungen im Verstärker addieren sich; dabei hat die Eingangsstufe den größten Einfluß. Wenn nun zu große Phasenverschiebungen auftreten und die Gegenkopplung zugeschaltet wird, dann besteht die Gefahr, daß der Verstärker zu schwingen beginnt.
Dem Gegenkopplungsgrad und damit auch der Verringerung von Verzerrungen sind demnach Grenzen gesetzt. Besonders bei Trioden-Eingangsstufen muß auf geringe Phasendrehungen im Verstärker geachtet werden!
Unser Ziel war ein Verstärker, der sowohl für HiFi-Anlagen als auch für den Betrieb mit Baßgitarren geeignet sein sollte; daher mußte er sehr sorgfältig auf Qualität und Stabilität ausgelegt werden.
In vielen Verstärkerschaltungen werden die Endstufen direkt von der Phasendreh-Stufe angesteuert. Diese erzeugt aber besonders bei großen Signalamplituden erhebliche Verzerrungen, die nur durch starke Gegenkopplung wieder verringert werden können.
Aus den bereits genannten Gründen konnten wir in unserer Schaltung aber keine starke Gegenkopplung zulassen.
Daher arbeitet die Phasendrehung mit kleinen Signalamplituden, die von zwei zusätzlichen Treiberstufen weiter verstärkt werden.
Die Ausgangsstufe besteht aus je zwei parallelgeschalteten Leistungspentoden mit der Bezeichnung 6CA7 (EL34). Wir zogen vier Röhren dieses Typs aus Gründen des Preises und der Lieferbarkeit einer Zweiröhren-Endstufe mit den leistungsfähigeren (und erheblich teureren) Röhren des Typs KT 88 vor.
Die Vorspannung für die im B-Betrieb arbeitenden Endstufenröhren wird individuell für jede Röhre eingestellt. Die Möglichkeit einer separaten Festlegung des Arbeitspunktes ist besonders dann wichtig, wenn nicht ausgesuchte Röhren zur Verfügung stehen. Die Gittervorspannung wird durch Messen des Spannungsabfalls am l0 Ohm - Kathodenwiderstand kontrolliert. Außerdem wird durch diese Widerstände der Einfluß von Exemplarstreuungen verringert.
Die Lebensdauer der Ausgangsröhren wird durch 1,5 kW - Widerstände in ihren Schirmgitterzuleitungen erhöht, da durch diese Maßnahme eine Begrenzung der Verlustleistung des Schirmgitters erfolgt. Die 1k5-Widerstände in den Steuergitterzuleitungen dienen zur Unterdrückung von wilden (HF-)Schwingungen. An den primärseitigen Anschlüssen des Ausgangstransformators sind Dioden und Kondensatoren nach Masse geschaltet, um Überschläge an den Röhrensockeln zu vermeiden. Die beim Sperren der einen Endstufenhälfte am Transformator auftretende Gegenspannung wird mit Hilfe dieser Dioden sicher gegen Masse kurzgeschlossen. Um Spitzenspannungen bis zu 3 kV verarbeiten zu können, sind 3 Dioden in Reihe geschaltet.
Der Ausgangstransformator ist das wohl wichtigste Bauelement in jedem Röhrenverstärker. Er bestimmt die Eigenschaften ganz wesentlich mit. Zum einen muß der Ausgangstransformator eine hinreichend große Windungsinduktivität besitzen, um gute Baßwiedergabe zu gewährleisten, zum anderen muß die Streuinduktivität klein gehalten werden, damit auch hochfrequente Signalkomponenten ungeschwächt übertragen werden. Diese Forderungen stehen einander entgegen, so daß bei der Auslegung des Transformators ein Kompromiß gefunden werden muß, der beiden Anforderungen möglichst gerecht wird.
Im hier verwendeten Übertrager sind die Sekundärwicklungen in Sandwichbauweise zu beiden Seiten der Primärwicklung angeordnet, um die Streuinduktivität möglichst gering zu halten. Zur Anpassung an Verbraucher unterschiedlicher Impedanz besitzt der Ausgangstrafo 2 getrennte Sekundärwicklungen. Die 8 Ohm-Wicklung ist zum Anschluß von 4 Ohm-Lasten angezapft; außerdem ist eine weitere 4 Ohm-Wicklung vorgesehen. Daher können auch 12 Ohm-Verbraucher angeschlossen werden, wenn die zwei Wicklungen in Reihe geschaltet sind. In diesem Fall muß Anschluß 4 und 8 verbunden und das Ausgangssignal an den Anschlüssen 5 und 6 abgenommen werden. An diesen Anschlüssen kann man auch 16 Ohm-Lautsprecher betreiben, wenn eine geringe Fehlanpassung in Kauf genommen wird.
8 Ohm-Lautsprecher werden direkt an die 8 Ohm-Wicklung angeschlossen.
In der gesamten Schaltung werden die Koppelkondensatoren so klein wie möglich gehalten. Sind die Werte zu groß und gerät die jeweils vorhergehende Stufe kurzzeitig in die Übersteuerung, tritt eine merkliche Totzeit mit Signalausfall auf, weil der Kondensator während der Übersteuerungszeit große Ladungen speichert und diese nur langsam wieder abgeben kann: Ein Verstärker-' Schluckauf ' ist die Folge.

Ein Blick auf das Netzteil zeigt, daß hier großzügig dimensioniert wurde.


Das ist allerdings auch notwendig, um die Klänge von Baßgitarren sauber wiedergeben zu können. Die Gittervorspannung muß brummfrei sein und unmittelbar nach dem Einschalten des Verstärkers ihren vorgeschriebenen Wert erreichen. Fällt nämlich kurzzeitig die Netzversorgung aus (vielleicht stolpert jemand über das Netzkabel, reißt dabei den Stecker heraus und steckt ihn dann schnell wieder in die Steckdose), dann sind die Glühkathoden der Röhren noch so heiß, daß bei einer nur allmählich ansteigenden Gittervorspannung unzulässig hohe Anodenströme auftreten würden. Sie könnten unter Umständen sogar zur Zerstörung der Endröhren führen.
Die Siebkondensatoren für die Vorspannung sind daher sehr klein gewählt und werden zusammen mit einem relativ niederohmigen Sieb-Widerstand in Pi-Schaltung betrieben, um das Brummen möglichst zu vermeiden.
Die Schirmgitterspannung von 400 Volt wird aus Stabilitätsgründen mit einer separaten Transformatorwicklung
erzeugt.
Um Brummen durch Restströme zwischen Heizung und Kathode zu vermeiden, sollte ein Heizungsanschluß an Masse gelegt werden. Die Heizungen der Endstufenröhren liegen jedoch nicht direkt, sondern über 470 Ohm-Widerstände an Masse. Sie sind eine weitere Schutzmaßnahme, damit bei einem Röhrendefekt nicht das ganze Netzteil aufbrennt. Das gleiche kann passieren, wenn ein Kurzschluß zwischen den Anschlüssen 3 und 2 der Röhrensockel auftritt. Werden die Heizungsanschlüsse beidseitig mit 470 Ohm-Widerständen an Masse gelegt, wirken sie als Sicherungen und schützen so den Ausgangstransformator. Gleichzeitig wird durch die Erdung der Röhrenheizungen auch das Brummen vermieden.
Wie in jedem Verstärker ist der mechanische Aufbau nahezu genauso wichtig wie die elektrische Schaltung. Die beiden Transformatoren (Netz- und Ausgangstransformator) werden jeweils möglichst weit voneinander entfernt montiert. Dadurch ergibt sich auch eine nahezu gleichmäßige Gewichtsverteilung. Die vier Ausgangsröhren sind parallel zur hinteren Längsseite des Chassis angeordnet. Auf diese Weise wird für ausreichende Kühlung gesorgt. Sie ist sehr wichtig für eine lange Lebensdauer der Leistungsröhren.
Alle Bauteile des Netzteiles befinden sich in der Nähe des Netztransformators; die Verstärkerelemente sitzen auf der gegenüberliegenden Seite des Chassis.


Die Potentiometer zur Vorspannungseinstellung werden in unmittelbarer Nähe jeder Endröhre befestigt, um eine direkte Verdrahtung mit kurzen Drahtlängen zu gewährleisten.


Der Aufbau
Da die meisten Bauelemente am Chassis und an den Röhrensockeln befestigt bzw. verlötet werden, bietet eine Leiterplatine keine Vorteile. Die von uns verwendete Verdrahtungsmethode erfordert Sorgfalt und ein genaues Überprüfen der aufgebauten Schaltung mit dem Verdrahtungsdiagramm und dem elektrischen Schaltbild.
Denken Sie immer daran, daß dieser Verstärker mit Spannungen arbeitet, die tödlich sein können.
Da der Verstärker nicht ganz billig ist, haben Sie vielleicht den Wunsch, das Chassis selbst zu bauen und dadurch etwas einzusparen. Daher haben wir Zeichnungen angefertigt, aus denen alle notwendigen Metallarbeiten hervorgehen. Sie brauchen dazu allerdings einige Werkzeuge und müssen etwas Erfahrung mit der Bearbeitung von Metall besitzen. Dann können Sie auch ohne Bausatz einen Verstärker aufbauen, der nahezu professionell aussieht. Aluminiumplatten erhalten Sie in vielen Elektronikgeschäften und auch im Metallgroßhandel.


Sie sollten das Gerät anhand der Verdrahtungsdiagramme aufbauen. Achten Sie genauestens auf die Lage und Anschlüsse der Bauelemente und stellen Sie nur einwandfreie Lötstellen her.
Die Stromversorgung wird um den Netztransformator herum aufgebaut.


Der Spannungsverstärker, die Phasendrehstufe und die Treiberstufen liegen in der Nähe des Ausgangstransformators.


Der erste Montageschritt besteht darin, die Transformatoren, Röhrensockel, Elektrolytkondensatoren und Trimmpotentiometer für die Einsteilung der Vorspannung zu montieren.
Dann schneiden Sie drei verschieden lange doppelreihige Lötleisten mit zwölf, acht und fünf Paaren von Lötfahnen zurecht. Verwenden Sie aber bitte Lötleisten, die genügend spannungsfest sind. Wenn die Leisten rückseitig isoliert sind, können sie problemlos ohne zusätzliche Abstandhalter an das Chassis geschraubt werden. Wir benutzten der Einfachheit halber die Montageschrauben der Transformatoren zur Befestigung der Lötleisten für das Netzteil und die Verstärkerschaltung.


Die Bauteile zur Vorspannungserzeugung werden von einer einfachen Lötleiste mit fünf Lötfahnen getragen, und der Eingang von V1 liegt auf einer einfachen Lötleiste mit 3 Anschlüssen.


Die Anordnung der Lötleisten ist aus den Verdrahtungs- und Montagezeichnungen deutlich zu erkennen.
Nachdem die Lötleisten befestigt sind, werden Löcher für die Transformatoranschlüsse gebohrt. Unsere Bohrungen haben einen Durchmesser von 10 mm und sind mit Gummidurchführungen versehen. Für den Ausgangstransformator wird eine Bohrung benötigt, für den Netztransformator drei. Um Bohrungen unter den Lötleisten zu vermeiden, werden die Löcher erst nach Befestigung der Lötleisten gebohrt. Die Verdrahtung sollte bei den Bauelementen des Netzteiles und den Röhrenheizungen beginnen. Die dickere (6 Ampere-) Wicklung versorgt die Heizungen der Ausgangsröhren, und die 3 Ampere-Wicklung übernimmt die Heizung der Röhren V1 und V2. Die 12AX7 besitzt eine 12V Heizwicklung mit Mittelanschluß. Wenn sie mit 6 Volt versorgt werden soll, müssen die beiden Wicklungsenden (Anschlüsse 4 und 5) miteinander verbunden werden. Dann wird die Heizspannung zwischen Anschluß 9 und Anschluß 4 / 5 angelegt.
Alle Heizleitungen werden zur Vermeidung von Netzbrummen verdrillt und möglichst weit entfernt von der anderen Verdrahtung zum Transformator geführt. Die Heizleitungen sollten außerdem keine Signalleitungen kreuzen oder in deren unmittelbarer Nähe verlegt werden.
Die 3-Ampere-Heizwicklung wird am Sockel von V2 auf Masse gelegt, und die 6 A-Wicklung wird, wie bereits beschrieben, symmetrisch in bezug auf Masse betrieben.
Nun werden die Dioden auf die Netzteillötleiste gelötet und die Elektrolytkondensatoren, der Stand-by-Schalter, die Schirmgitter-Widerstände, der Netzschalter und die Vorspannungsversorgung verdrahtet. Nach Beendigung der Lötarbeiten am Netzteil schließt sich eine gründliche Überprüfung an. Kontrollieren Sie die Polarität der Dioden und Elektrolytkondensatoren und vergewissern Sie sich, daß alle Vorlastwiderstände (100 kW) eingelötet sind.
Nun wird das Netzteil eingeschaltet (allerdings ohne Röhren in den Sockeln). Wenn alles in Ordnung zu sein scheint (kein Qualm, kein Knallen), werden die Spannungen über den Elektrolytkondensatoren mit einem Meßinstrument nachgemessen. Verwenden Sie auf jeden Fall gut isolierte Prüfspitzen, denn im Netzteil treten hohe Spannungen auf. An den drei in Reihe geschalteten Elkos sollten jeweils gleiche Spannungsabfälle zu messen sein. Stimmt bislang alles, kann das Netzteil wieder abgeschaltet werden. Warten Sie nun ca. eine Minute und schließen dann alle Kondensatoren mit einem Schraubenzieher kurz. Wenn die Vorlastwiderstände intakt sind, müßten die Elkos bereits weitgehend entladen sein. Diesen Vorgang sollten Sie jedesmal wiederholer, wenn das Gerät eingeschaltet war und Sie anschließend in die Schaltung eingreifen wollen. Das ist eine Sicherheitsmaßnahme für den Fall, daß die Vorlastwiderstände ausfallen. Dann stehen die gefährlich hohen Versorgungsspannungen noch lange nach dem Ausschalten des Gerätes an den Kondensatoren an und Sie können sich daran einen elektrischen Schlag holen.
Anschließend stecken Sie die Röhren in ihre Sockel, schalten das Gerät wieder ein und überprüfen, ob alle Röhrenheizungen arbeiten. Dann wird wieder abgeschaltet (Kondensatoren kurzschließen!).
Wenn die Netzteilschaltung in Ordnung ist, beginnen Sie mit dem Aufbau der Schaltungsteile um V1 und V2.


Der Eingangskondensator C1 wird mit der Eingangsbuchse und dem Potentiometer zur Einstellung der Eingangsempfindlichkeit verbunden. R2 sollte sich möglichst nahe am Gitteranschluß der Röhre befinden, um HF-Einstreuungen zu vermeiden. Wir haben festgestellt, daß es unnötig ist, abgeschirmte Leitungen zwischen Röhrensockel, Eingangspotentiometer, Stummschalter und Eingangsbuchse zu verwenden.
Sollte Ihr Aufbau jedoch stark von unserem abweichen, so daß größere Kabellängen notwendig werden, ist es zur Vermeidung von Brummeinstreuungen doch sinnvoll, mit abgeschirmten Kabeln zu arbeiten.
Sie müssen unbedingt darauf achten, daß die Leitungen des Rückkopplungszweiges möglichst weit von der Verdrahtung der Eingangsstufen entfernt sind. Anderenfalls kann es zu hochfrequenten Schwingungen kommen, wenn die Rückkopplung abgeschaltet wird.

Nun werden die Vorspannungskreise der Ausgangsröhren aufgebaut.


Überprüfen Sie sorgfältig, ob auch keine Kurzschlüsse zwischen den Bauelementen auftreten können. Zur Sicherheit sollten Sie Isolierschlauch über die Anschlußdrähte der Bauteile ziehen. Wenn eine der Vorspannungen ausfällt, dann kann das schwerwiegende Folgen für die Endstufe haben. Die 1k5 Widerstände in den Gitterzuführungen der Ausgangsröhren werden an die Anschlüsse 5 und 6 der Röhrensockel gelötet. Anschluß 6 ist nicht belegt und dient daher nur als günstiger Lötstützpunkt. Auf diese Weise kann der Vorwiderstand in unmittelbarer Nähe des Gitteranschlusses angeordnet werden, so daß die Gefahr unerwünschter Schwingungen stark verringert wird.
Die 10W - Widerstände in den Kathodenleitungen werden direkt an die Röhrensockel (Anschlüsse 1 und 3) gelötet. Es ist empfehlenswert, die Widerstände in Folie einzuwickein oder mit einem Schlauch zu überziehen. Wenn dann aufgrund eines Röhrenkurzschlusses der zugehörige 10 W - Widerstand durchbrennt, fallen keine Aschenreste auf den Röhrensockel und die umliegende Schaltung. Anderenfalls müßten die mit dem leitenden Kohlematerial bestäubten Bauelemente zusätzlich zur Röhre und dem Kathodenwiderstand ausgewechselt werden.
Achten Sie auch darauf, daß die beiden gegenphasigen Ausgangssignale der Phasendrehstufe nicht miteinander vertauscht werden. Das an der Kathode von V1b auftretende Signal muß auf das Gitter der Röhre V2b gehen, das Anodensignal auf die Steuerelektrode von V2a. Weiterhin ist wichtig, daß die Primärwindungen des Ausgangstransformators nicht vertauscht werden; Anschluß 3 geht an die Anoden von V3 und V4 und Anschluß 1 auf die Anoden von V5 und V6. Wenn diese Verbindungen vertauscht werden, verändert sich auch die Phasenlage des Ausgangssignals. Dann wird die Gegenkopplung positiv, und der Verstärker arbeitet als Leistungsoszillator!
Das Netzteil des Verstärkers ist durchaus in der Lage, auch zusätzliche Schaltungen (z.B. einen Röhren-Vorverstärker) zu speisen. In die Rückseite des Verstärkers kann zur Versorgung externer Schaltungen noch eine 'Kraft ' - Ausgangsbuchse eingebaut werden. Hier stehen dann bei einem Strom von 70mA 400V Speisespannung und 2,4 A für die Heizung weiterer Röhren zur Verfügung.

Das Einschalten des Verstärkers
Röhrenschaltungen haben einen großen Vorteil: Es ist offensichtlich, wenn etwas an der Schaltung nicht stimmt oder ein Defekt vorliegt. Trotzdem ist es besser, vor dem ersten Einschalten noch einmal alles genauestens zu überprüfen! Zuerst schalten Sie den Verstärker bei herausgezogenen Röhren ein. Überzeugen Sie sich, daß die Speisespannungen stimmen. - Abschalten !
Zur Überprüfung der Vorspannungen an Anschluß 5 jeder Ausgangsröhre stellen Sie alle Potentiometer im Gegenuhrzeigersinn auf maximale Vorspannung ein, drehen die Eingangsempfindlichkeit mit dem Eingangspoti ganz zurück, schließen einen Lautsprecher an und stecken die Röhren in ihre Sockel. Nun wird der Verstärker wieder eingeschaltet und die Vorspannung ;eder Ausgangsröhre so eingestellt, daß an den 10 W - Kathodenwiderständen jeweils ein Spannungsabfall von 0,25 V auftritt.
Passieren unvorhergesehene Dinge, dann müssen Sie sofort wieder abschalten und die Verdrahtung überprüfen.
Wenn, so hoffen wir, alles in Ordnung ist, geben Sie dem Verstärker ein Eingangssignal, drehen das Eingangspotentiometer auf und dann müßten Sie hören, daß Ihr Verstärker arbeitet.

Ein paar Worte zu den Lautsprechern
Wenn Sie das Gerät als Gitarrenverstärker einsetzen wollen, empfehlen wir Ihnen dringend, für diesen Zweck geeignete Lautsprecher mit mindestens 200 Watt (Sinus) Belastbarkeit zu verwenden. Diese Lautsprecher sind extrem robust mit Aluminiumschwingspulen aufgebaut, um die hohen Spitzen- und auch Dauerbelastungen beim E-Gitarrenspiel ohne Schädigungen ertragen zu können.
Wollen Sie den Verstärker zur Wiedergabe von HiFi-Signalen verwenden, achten Sie darauf, daß er nicht in die Übersteuerung gerät. Bei Röhrenverstärkern erfolgt der Übergang vom linearen Betrieb zur Übersteuerung nicht so abrupt und daher auch nicht so gut hörbar wie bei Transistorverstärkern. Sie können durch ständiges Übersteuern dieses Rönrenverstärkers ihren HiFi-Lautsprechern irreparablen Schaden zufügen, ohne daß Sie es bemerken!

Wie funktioniert's?
Der Verstärker besteht aus vier Einzelgruppen:
1. demEingangsspannungsverstärker
2. der Phasendrehstufe
3. der Gegentakt-Treiberstufe
4. der Gegentakt-Ausgangsstufe
Der Eingangsverstärker wird mit einer Hälfte einer 12AX7-Doppeltriode aufgebaut. Das Eingangssignal gelangt wechselspannungsmäßig über einen Abblockkondensator auf das Potentiometer RV1 zur Verstärkungseinstellung. Der Gitterwiderstand R2 liegt direkt in Serie mit dem Gitter und vermindert die Gefahr von HF-Schwingungen. Die zweite Hälfte der 12AX7 wird als Phasendrehstufe geschaltet. Das Gitter liegt über C4 an der Anode der Eingangsstufe. Die Phasendrehstufe hat keine Spannungsverstärkung. Das Signal am Gitter von V1b erscheint lediglich um 180 gedreht an der Anode und in Phase zum Gittersignal am Verbindungspunkt der Widerstände R9 (zur Vorspannungserzeugung) und R10. Das Gitter wird durch die Kombination der Widerstände R9, R10 und R7 auf eine Vorspannung von ca. - 3 Volt bezogen auf die Kathode gelegt.
Die Treiberstufe ist mit der Doppeltriode 12AU7 aufgebaut. Der Widerstand R14 erzeugt eine für beide Röhrenhälften gemeinsame Gittervorspannung. R12 und R13 arbeiten als Gitterableitwiderstände. Die Anodenspannung dieser Stufe beträgt 330 V (Schirmgitterspannung der Ausgangsstufe) und wird über ein Entkopplungsnetzwerk R17, C7 zugeführt. Jeder Treiber (V2a und V2b) besitzt eine Spannungsverstärkung 10, die durch das Verhältnis der Widerstände R15 zu R14 sowie R16 und R14 bestimmt wird.
Die Ausgangsstufe besteht aus vier Röhren, von denen jeweils 2 parallel geschaltet sind. Die Röhrenpaare arbeiten im Gegentakt.
Parallel geschaltet sind V3 und V4 sowie V5 und V6. Die Paare treiben den Ausgangstransformator im Gegentakt. Die Anode von V2a steuert die Gitter der Endröhren V3 / V4, und die Anode von V2b arbeitet auf die Steuerelektroden von V5 / V6.
Die Ausgangsstufe arbeitet im AB-Betrieb. Dadurch erreicht man eine hohe Verstärkung und Ausgangsleistung sowie einen geringen Klirrfaktor.
Die Vorspannung der Ausgangsstufe wird aus einer speziell für diesen Zweck im Netzteil verfügbaren Spannung erzeugt. Da die Exemplarstreuungen der 6CA7 (EL34) recht groß sein können, ist schaltungstechnisch ein getrennter Vorspannungsabgleich jeder Endröhre vorgesehen.
Der Ausgangstransformator paßt die Anoden-Anodenimpedanz der im Gegentakt arbeitenden Röhrenpaare (ca. 5 500 Ohm ) an die niederohmige Last z.B. von Lautsprechern an. Da mehrere Sekundärwindungen vorhanden sind, können Impedanzen zwischen 4 und 12 Ohm angeschlossen werden. Es steht eine getrennte 4 Ohm-Wicklung und eine bei 4 Ohm angezapfte 8 Ohm-Wicklung zur Verfügung.
Die Rückkopplung zur Kathode der Eingangsstufe erfolgt vom einen Ende der 8 Ohm-Wicklung aus. Das andere Ende liegt auf Masse.
Während jeder Halbwelle des Eingangssignals eine Hälfte der Gegentaktendstufe gesperrt (also V3 - V4 oder V5 - V6). Dadurch wird in der entsprechenden Hälfte der Primärwicklung eine hohe Gegenspannung induziert, die in der Lage ist, Überschläge an den Röhrensockeln hervorzurufen. Um diesen Effekt zu vermeiden, werden die Gegenspannungen beider Teilwicklungen mit den Dioden D1-D3 und D4 - D6 gegen Masse kurzgeschlossen.
Die Stromversorgung ist konventionell aufgebaut. Der Netztransformator hat 5 Sekundärwicklungen:
Eine 6,3 V/3 A Heizwicklung,
eine 6,3 V/6 A Heizwicklung,
eine 47 V/50 mA Vorspannungswicklung,
eine 285 V/150mA Anodenwicklung
und eine 565 V/300 mA Anodenwicklung.
Zur Erzeugung der Anodenspannungen werden Brückengleichrichter mit darauffolgenden RC-Siebgliedern verwendet. Folgende Spannungen entstehen:
750 V Anodenspannung für die Endstufenröhren, 400 V Schirmgitterspannung für die Endröhren bzw. Anodenspannung für die Treiberstufen. Die - 63 V Gittervorspannung für die Endröhren wird durch Einweggleichrichtung und anschließende Pi-Filterung erzeugt.