20-Watt-Verstärker RIM Tonmeister 1 (1961)


Häufig reicht die Sprechleistung eines Tonbandgerätes nicht aus, um bei vertonten Schmalfilmvorführungen in einem kleineren Saal die notwendige Lautstärke zu erzielen. Ähnlich verhält es sich bei Rundfunkgeräte und Kleinverstärker.
Hier schafft unsere 20 W-Endstufe Abhilfe. Diese ist lediglich an den Zweitlautsprecherausgang eines Tonband-oder Rundfunk-Gerätes anzuschließen und vermag so mehrere Lautsprecher mit der erforderlichen Sprechleistung zu versorgen.


Die zur Aussteuerung der Endstufe notwendige Tonspannung von ca. 500 mV liefert nahezu jedes Rundfunk-und Tonbandgerät.
Durch die Verwendung einer sogenannten festen Gittervorspannung konnten die Verzerrungen des Endverstärkers trotz der Leistung von 20 Watt wesentlich reduziert werden.


Ferner verfügt die Endstufe über eine Aussteuerungsanzeige (wurde nicht in der Schaltung eingezeichnet). Damit können Verstärkerübersteuerungen, akustische Rückkopplungen etc. vermieden werden.
Der gesamte elektrische Aufbau ist in einem grauen Metallgehäuse untergebracht. Eine Perforation sorgt für die entsprechende Luftkühlung der Röhren und Transformatoren bei Dauerbetrieb.


Die Endstufe kann nachträglich zu einem Mischpultverstärker (Tonmeister 2) ausgebaut werden.

Ich weise vorsichtshalber darauf hin, daß das hier vorgestellte Netzteil für einen evetll. späteren Stereoverstärker, der auch als einer der nächsten RIM-Bauanleitungen folgen wird (RIM Stereo-Imperator), wahrscheinlich nicht ausreicht - es ist zu schwach dimensioniert.)

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Die nachfolgende Beschreibung entstammt dem Buch von Heinz Richter, "Elektroakustik für Alle" :

Ein Selbstbau 20 W-Endverstärker ("Tonmeister", Radio Rim)
Oft ist schon eine leistungsfähige Vorstufe vorhanden, und man braucht nur eine Endstufe. Dann kann man zu dem hier beschriebenen Endverstärker greifen.
Der Anschluß der Endstufe an den nieder- bzw. hochohmi-gen Ausgang eines Tonbandgerätes, Rundfunkgerätes oder Verstärkers erfolgt über die Normbuchsenanschlüsse eins und zwei (Masse).
Die Tonfrequenz gelangt dann von der Eingangsnormbuchse her auf das Steuergitter des ersten Triodensystems der Röhre ECC 83 und liefert die Gitterwechselspannung für V 3. Gleichzeitig erhält das zweite Triodensystem von V 1 als Gitterwechselspannung einen Teil der Ausgangsspannung des ersten Triodensystems. Die Gegenkopplungsglieder R 22 und R 23 wurden so dimensioniert, daß die von dem ersten und zweiten Triodensystem von V 1 gelieferten und um 180 phasenverschobenen Ausgangsspannungen amplitudenmäßig übereinstimmen.
Neben der Gewinnung zweier amplitudengleicher Steuerspannungen mit einem Phasenunterschied von 180 für die Versorgung der Gegentaktendstufe liefert die Phasenumkehr-Stufe noch eine zusätzliche Spannungsverstärkung, so daß die Gegentaktendstufe mit der zur Erzielung von 20 W Ausgangsleistung notwendigen Gitterwechselspannung von ca. 10 Volt "angesteuert" werden kann. Die beiden in Gegentaktschaltung arbeitenden Endröhren EL 84 (V 2 und V 3) werden nun über C 21 und C 24 mit je einer um 180 phasenverschobenen Steuerspannung gleicher Amplitude angesteuert.
Während beispielsweise V 2 eine Steuerspannung von + 9 Volt erhält, bekommt die Röhre V 3 eine Gitterwechselspannung von - 9 Volt. Die Primärwicklung des Gegentaktüber-tragers BV 2468 T ist daher in zwei symmetrische Hälften primärseitig aufgeteilt, wobei die Zuführung der Anodengleichspannung vom Netzteil her über die Mittelanzapfung erfolgt. Durch die gleichzeitige, amplitudengleiche und phasenverschobene Aussteuerung der beiden Endröhren erhält man daher bei der Gegentaktanordnung eine große Ausgangsleistung, und durch die symmetrische Anordnung der beiden primärseitigen Wicklungshälften hebt sich gegenseitig ein Großteil der Verzerrungen der Endröhren auf.
Neben der Gegentaktschaltung ist der äußerst niedrige Klirrfaktor des Verstärkers auch der sog. festen Gittervorspannung der Endröhren zu verdanken. Wie aus dem Schaltplan ersichtlich ist, wird die Gittervorspannung der Endröhren wech-selspannungsseitig einer Hälfte der Anodenwicklung des Netztrafos entnommen. Der Spannungsteiler R 37 / R 36 sorgt dafür, daß nur ein Teil der Anodenwechselspannung an den Gleichrichter über den Schutzwiderstand R 35 gelangt. Die durch den Gleichrichter gleichgerichtete Wechselspannung gelangt über R 34, P 6, P 7, R 28, 29 und R 32, R 33 als negative Vorspannung auf die Steuergitter der beiden Endröhren.
Der Kondenstor C 25 wird zur Siebung der gleichgerichteten negativen Vorspannung verwendet. Die exakte Einstellung der vorgeschriebenen negativen Vorspannung sowie der einwandfreie Abgleich der beiden Anodenruheströme kann durch die Regler P 6 und P 7 vorgenommen werden.
Um ein Selbstschwingen der steilen Endröhren zu vermeiden, sind unmittelbar an den Fassungsanschlüssen der beiden Endröhren die Schutzwiderstände R 29, R 33, R 38, R 39 angebracht.
Von der 5 Ohm-Anzapfung der Sekundärwicklung des Ausgangsübertragers führt ein Gegenkopplungskanal über R 40 zurück zum aufgeteilten Kathodenwiderstand des ersten Triodensystems der Phasenumkehrstufe V 1.
Wie bereits erwähnt, verfügt der Ausgangsübertrager neben den niederohmigen Lautsprecheranschlüssen auch über einen sogenannten 100 V-Ausgang (800 Ohm bei 12,5 W), der die Anpassung unterschiedlicher Lautsprecher und Tonsäulen über lange Leitungen an den Verstärker gestattet.
Eine Aussteuerungskontrolle erfolgt durch das Lämpchen 10 V / 0,05 A in der Schirmgitterzuleitung der beiden Endröhren. Bei Vollaussteuerung der Endstufe fließt ein entsprechend größerer Schirmgitterstrom, der das Lämpchen zum Aufleuchten bringt. Eine solche Kontrollmöglichkeit erweist sich insbesondere dann als nützlich, wenn Verstärker und Lautsprecher in zwei verschiedenen Räumen stehen (Anzeige von akustischen Rückkopplungen, Übersteuerungen).
Der Netzteil liefert die für den Verstärker notwendige hohe Anodenspannung sowie sämtliche Heizspannungen. Ebenfalls besitzt der Netztransformator BV 2471 eine zweite Heizwicklung zur Speisung der Gleichrichterröhre EZ 81, die in Doppelwegschaltung die hohe Anodenwechselspannung des Netztransformators gleichrichtet. Nachdem die Gleichrichterröhre EZ 81 indirekt geheizt wird, werden beim Einschalten des Gerätes die Elektrolytkondensatoren besonders geschont, zumal die Anheizzeit der Gleichrichterröhre und der "stromziehenden" Endröhren ungefähr gleich ist. Eine besonders hohe, schädliche Spitzenspannung kann daher beim Einschalten des Gerätes an den Elkos nicht auftreten.
Die Primärseite des Netztrafos ist auf die üblichen Netzspannungen umschaltbar, und eine Feinsicherung schützt den Transformator vor evtl. auftretenden Kurzschlüssen und Überlastungen. Als Netzschalter wird ein zweipoliger Kippschalter verwendet.
Zur Symmetrierung der Heizspannung dient der "Entbrummer" P 8.
Die Betriebsbereitschaft des Gerätes wird durch ein 10 V-Lämpchen angezeigt, welches von der 6,3 V-Heizwicklung des Netztrafos gespeist wird.