Klangregler – gerechtfertigt oder nicht?


Immer wieder taucht im Zusammenhang mit HiFi-Verstärkern der Begriff der Klangregelung auf, er gesellt sich zu den Schaltungen und gehört scheinbar dazu wie das Gelbe zum Ei. Ist dem wirklich so? Klangregelung hat es seit Anfang an gegeben, ist sie heutzutage noch gerechtfertigt? Zu diesem Thema ist ein Ausholen in die Vergangenheit unumgänglich.

  1. Warum wurden früher die Stereo-Verstärker "HiFi-Verstärker" genannt

  2. Mit der Einführung des UKW-Rundfunks Ende der 40er Jahre in Westdeutschland erlebte die Wiedergabegüte sowohl in der sende- als auch gerade in der empfangstechnischen Seite einen ungeahnten Qualitätssprung; wurde doch eine viel größere Bandbreite übertragen, die im Vergleich zum AM-Rundfunk nun endlich auch Höhen und Tiefen beinhaltete *schmunzel*.
    Prompt wurde die Empfangstechnik (also die NF-Technik) zur HiFi-Technik. Die Definition des Begriffes stammt jedoch schon aus den ausgehenden 20er Jahren, in den USA experimentierte man viel damit und kreierte dort den Begriff "HiFi". Man führte nun in Deutschland einfach euphorisch den Begriff "HiFi" ein, meinte neben markt-wirtschaftlichen Aspekten auch, endlich mit UKW d i e Wiedergabegüte gefunden zu haben, mit HiFi im heutigen Sinne hat das jedoch nichts zu tun.

  3. Warum hatten früher diese Verstärker Klangregelungen

  4. Eine nun vorhandene Fülle an NF-Bandbreite und in Zeiten des "Wirtschaftswunders" üppiger Komfort bildete die Grundlage zur Entwicklung neuer Klangregelungen. Korrekterweise muß es eigentlich immer Klangsteller heißen, da Regelungen auf Prizipien zurückgreifen, die auf das Vorhandensein von Meßglied, Stell- und Regelglied beruhen wo automatisch das Abweichen bestimmter Größen geregelt wird - nichts davon finder man aber normalerweise auf unserem Verstärkergebiet. Trotzdem hat sich hartnäckig der Begriff "Klangregelung" bis heute gehalten.
    Sei es drum, ob das nötige Wissen vorhanden war oder nicht, prompt tauchten z.B. in den Empfängern nicht mehr nur die Tonblenden auf wie sie bis dahin Standard waren, die Klangregelungen wucherten nahezu, als Spitze eroberten sich die "Klangregister" ganze Frontflächen sowohl von Rundfunkempfängern als gerade auch von Verstärkern. Endlich konnte man Höhen und Tiefen, sofern vorhanden, auch Mitten usw. individuell beeinflussen, ob als simple Drehregler oder Tasten, alles war da, es spielte keine Rolle – und es nannte sich "HiFi"!
    Na und erst die ersten Stereo-Anlagen, also da mußte doch selbstverständlich eine Klangregelung rein!

  5. Was besagt das Wissen heutzutage über die (nun sogenannten) Klangverzerrer

  6. Damals entsprach der Begriff "HiFi" dem Stand der Technik. Speziell die Aufnahmeseite hatte im Vergleich zur heutigen Technik jedoch gravierende Nachteile. Mit der Einführung der Halbleitertechnik revolutionierte mann scheinbar die HiFi-Technik, meinte nun endlich, im Rausch des Neuen die Nachteile der Röhrentechnik überwunden zu haben – folgenschwer – die Klangregler blieben und sowohl aufnahmeseitig als auch wiedergabeseitig gab es kaum Verbesserungen HiFi im heutigen Sinne betreffend.
    Zwar wurde das Übertragungsverhalten der Verstärker verändert, die eisenlosen Endstufen endlich ließen Frequenzgänge ungeahnter Bandbreite zu - jedoch konnte man zuwenig Theoriewissen in die Praxis umsetzen : Ja, Stereo war lange bekannt; Boxen rechts und links, Basisbreite, all das waren und sind Begriffe für räumliches Hören, aber damals war das oft nur gleichzusetzen mit Rechts und Links – da kommt Musik heraus. Klanggeregelt, versteht sich.
    Die Symbiose zwischen Stand der inzwischen einziehenden Digitaltechnik und HiFi-Theorie gestattete rein meßtechnisch dem Phänomen "HiFi" auf den Grund zu gehen, Physikalische Thesen experimentell zu beweisen usw. usf.
    Als Ergebnis konnte man nun zum ersten Male aufnahmetechnisch bis dato ungeahnte Möglichkeiten erschöpfen, wie viele großartige CDs und Schallplatten der letzten Jahre immer wieder eindrucksvoll belegen.
    Man weiß heute, dass Klangregler eben nicht nur gestatten, Frequenzen anzuheben oder abzusenken. Sie erzeugen Phasenverschiebungen und -Drehungen, rein technisch gesehen spricht man heutzutage völlig korrekt von KlangVERZERRERN und nicht von KlangREGLERN.
    Durch die erwähnten Phasenverschiebungen und –drehungen wird die räumliche Ortung und das Auflösungsvermögen stark zugunsten von Laufzeitenveränderungen negativ beeinflußt, sie führen eine korrekte HiFi-Wiedergabe schlicht ad absurdum. Diese Thematik hat längst nichts mehr mit irgendwelchem HiFi-Voodoo ect. zu tun, sie ist meßtechnisch längst erfaßt und bewiesen und hat einen festen Platz in der HiFi-Theorie.

  7. Als Resultat haben heutige HiFi-Amps keinerlei Klangverzerrer

  8. Das scheinbare Paradoxon ist nichts Neues: Eine digital (verfremdet) gepreßte CD wird so analog wie möglich wiedergegeben mit streng linearisierten, gegengekoppelten Verstärkern möglichst ohne interne Kopplungskondensatoren, da diese wiederum den Klang beeinflussen genauso wie die Raumgeometrie des Hörraumes, das menschliche Ohr ohnehin, das Residuum, die Frequenzweichen in Lautsprechern, usw. usf. .. in der Hoffnung, das Ganze dann so natürlich wie möglich wiedergeben zu können. Ein sehr schwerer Kompromiß übrigens!

    Moderne HiFi-Verstärker unterscheiden sich hinsichtlich des Schaltungsprinzips (gegengekoppelte Endstufen in Gegentakt-A-Schaltung, als Push-Pull-Schaltung, u.s.w.) nicht von damaligen Schaltungen. Der eine schwört auf die Triode als unerreichte Wiedergaberöhre, der andere versucht es mit der Ultra-Linearschaltung, doch das ist oft Ansichts- und noch mehr Erfahrungssache.
    Wohl haben sich die Widerstände, Kondensatoren u. dgl. in ihrer Güte stark verbessert, eine Ultralinearschaltung z.B. sieht jedoch noch genauso aus wie Mitte der 50er Jahre.
    Ob Halbleiter oder Röhre – Hypothesen, warum man lieber das eine oder das andere hört, gibt es genug. Eines aber gibt es nicht mehr auf HiFi-Gebiet: Klangsteller oder gar die Steigerung dieser Unart: Equalizer oder diese heutzutage immer mehr anzutreffenden Signalprozessoren in Mini-Anlagen usw. - Grauenhaft !
    Klangsteller sollten – dimensioniert man sich z.B. einen HiFi-Vorverstärker – auf jeden Fall abschaltbar gemacht werden, sofern man überhaupt Klangsteller vorsieht. Anders sieht es grundsätzlich bei z.B. Gitarrenverstärkern aus oder Beschallungsanlagen, die für die Wiedergabe in großen Räumen ect. gedacht sind (wobei man sehr oft den Verdacht nicht mehr los wird, daß ebensolche Beschallungsanlagen nur allzuoft in Billig-Super-Großhandels-Läden als Hifi-Equipment verkauft wird) – hier wiederum sind Klangsteller unumgänglich.

    Findet man nun eine Schaltung eines "HiFi-Verstärkers" aus den Jahren, als noch die Röhrenradios zum Standard gehörten, so sollte man, bevor man überhaupt sich dem praktischen Gerät zuwendet, diese Schaltung kritisch hinsichtlich ihrer Tauglichkeit auf modernes HiFi prüfen, will man sich Enttäuschungen ersparen:

    1. Sind Klangsteller drin und können diese entfernt werden?

    2. Das setzt die Kenntnis der Dimensionierung von Verstärkerstufen voraus; sind doch Signalpegel anzugleichen usw.
    3. Ist Gegenkopplung zur Linearisierung des Frequenzganges vorhanden?

    4. Wenn nicht im Preamp, dann immer mindestens in der Endstufe! Die Gegenkopplung in der Endstufe ist mächtig abhängig vom zu treibenden Lautsprecher, sie sollte variabel gestaltet werden!
    5. Wie ist der Signalweg hinsichtlich Koppel-Kapacitance beschaffen? Muß aufdimensioniert werden?

    6. Sind in der Schaltung u.U. irgendwelche klangbeeinflussenden Glieder mit drin, um z.B. die Baßwiedergabe zu vergrößern? (Gegenkopplung ausgenommen!)

    7. In welcher Betriebsart werden die Endröhren gefahren?

    8. Hinsichtlich Relation Klirrfaktor und Gegenkopplungsaufwand ist der A-Betrieb am besten, außerdem schont dieser Betrieb die Röhren.
    9. Zu den Transformatoren: Welche Leistungsreserven bietet der Netztrafo? Wie mächtig sind die Ausgangsübertrager? Gibt es Angaben zu deren Wicklung (geschachtelt u.dgl.)?

    Sind diese Punkte nicht zu erfüllen, so wird man kaum eine HiFi-Wiedergabe erreichen, ein Neubau ist unumgänglich.
    Es würde dann wenig Sinn machen, einen vorhandenen Verstärker aus dieser Zeit so umzubauen, daß er modernen Ansprüchen genügt.

    Einen Kommentar will ich (Jogi) hier aber noch dazugeben, den kann ich mir nicht "verkneifen" : Der Meikel hat das ganze sehr gut, wie ich meine, dargelegt. Er hat nur eines nicht so hervorgehoben, wie er es meiner Meinung nach hätte tun sollen - er ging nicht genügend auf die Unzulänglichkeiten des menschlichen Gehörs ein.
    Mein Gehör ist, das gebe ich ganz offen zu, durch berufliche Auswirkungen und im jugendlichen Alter viel zu laute Disko-Musik, ziemlich geschädigt. - Die hohen Frequenzen bekomme ich nur noch sehr schwach mit.
    Deshalb wäre für mich schon eine Klang-"Regelung" unerläßlich für einen Musikgenuß nach meinen Wünschen. Auch liebe ich geradezu - früher immer zum Leidwesen meiner Eltern und der Nachbarn - einen guten, kräftigen, hammerharten Baß. Und auch diesen kann man nur mit einer klanglichen Beeinflussung erhalten.
    Deshalb also - auch wenn der Meikel, prinzipiell, vollkommen recht hat - jeder sollte für sich entscheiden - und zwar rechtzeitig, bevor der Vorverstärker fertig geplant und aufgebaut ist - ob er oder ob er nun doch nicht auf eine Beeinflussung des Klangs verzichten will.


    Vom Mikel kam noch ein weiterer Beitrag, den ich kommentarlos hier einfügen kann - er spricht für sich selbst und, vor allem, er spricht über die Begeisterung, die einen packt und nicht mehr loslässt wenn man erst einmal angefangen hat mit diesem wunderschönen, tollen, herrlichen Hobby..


    Das etwas andere Radio.

    Eigentlich fing alles damit an, dass ich beim Trödler diese Schatulle fand. "Was ist das bloß für ein Kistchen?" Verbohrt mit vielen Löchern, nichts drin, aber irgendwie alt. Der Boden war abschraubbar, sehr schön und auf dem Deckel keine Bohrungen, klasse. Ob da ein Radio drin war? Deckel auf und nachsehen: nichts drin. Eigentlich könnte man doch aus so einer Kiste ein offenes Radio bauen mit Röhren obendrauf, so wie es Mitte der 20er Standard war? Haben wollte ich schon immer mal so etwas, aber bislang war mir in dieser Hinsicht das Sammlerglück nicht hold - und kaufen - bei den Preisen für solche Geräte, nein danke! Mit dieser Frage beschäftigte ich mich intensiv etwa ein halbes Jahr lang und dann war die Kiste beim Trödler weg. Schade irgendwie - hätte ich sie doch gleich kaufen sollen, selber schuld. Und ein Jahr später war doch diese Schatulle wieder da! Lag beim Trödler und schaute mich erwartungsvoll an und richtig: jetzt wurde nicht gezögert und für fünf Mark wechselte sie ihren Besitzer und ich grübelte - was baue ich da am besten für ein Radio rein? Im "Abele" geblättert, finden sich viele Bilder solcher Geräte - mit einer und mehr Röhren, den Korbbodenspulen, schwenkbar oder nicht, usw. Zunächst kam nur ein "Schaugerät" in Frage - kann ja in der Vitrine stehen. Wieso aber eigentlich nur Schaugerät? Wenn schon, dann gehört eine funktionsfähige Schaltung rein!

    Also los: Literaturstudium. Ein Freund half via Newsgroups und übersandte mir kostenlos zum Kopieren zwei herrlich alte Bändchen - an dieser Stelle nochmals meinen Dank. Es ist einfach interessant nur allein zu lesen, mit welchem Enthusiasmus man damals herangegangen ist, z.B. ein "Tropadyne" zu bauen. Meine Güte, was man z.B. alles beachten musste, um ein "Sekundäraudion mit NF-Stufe zum Anschluss eines Telephons" zu bauen! Ein Wissen, welches heute nicht mehr benötigt wird. Was gab es noch an Anregungen? Richtig, da war doch auch in der "Funkgeschichte" ein Artikel, in dem der Autor so ein Selbstbauprojekt beschrieben hat! Her damit! Eine einfache Schaltung ist beschrieben, schon beim Lesen wird der Spaß vermittelt, mit dem das Gerätchen aufgebaut wurde - das baue ich mir auch, das muss doch wohl funktionieren !

    Die Einzelteilfrage musste geklärt werden. Es wurde alles durchwühlt, was da so in Schubladen und Kisten kreucht und fleucht an alten Teilen, da war doch noch dieser komische Drehko, völlig verkratzt und unbrauchbar auf einem Dachboden gefunden - der musste gangbar gemacht werden. Wie gut, dass ich damals diese Vorrats-Spulen mit dem Draht aufgehoben habe, man hätte sie sonst weggeworfen :


    Herrlich - staunenswert, was da so alles wieder zum Vorschein kam ! Diese Skalenknöpfe, die nehme ich bestimmt! Röhrenfassungen - solche uralten, die auf ein Chassis bzw. Brett geschraubt werden, die hatte ich nicht. Also wurden die gerade vorrätigen Pertinaxfassungen verwendet, von unten an den Deckel geschraubt und der Deckel musste entsprechend durchbohrt werden. Es wird genommen, was alt ist und irgendwie geht, basta! In der Schaltung wird u.a ein Hartpapierdrehko benutzt, viele kennen ihn unter dem Begriff "Quetscher". Ich hatte keinen normalen, dafür diese Differentialdrehkos als Quetscher, bitteschön, dann wird eben die Schaltung der Rückkopplung so verändert, dass dieser Quetscher zum Einsatz kommen kann! Ob das dann auch wirklich mal spielt ?
    Die Kiste sah recht mitgenommen aus.


    Nach längerem Hin und Her und Rücken der Röhren und Buchsen auf der Oberseite, dto. mit den Skalenknöpfen auf der Frontseite die Entscheidung: Das obere Drittel des Gehäuses wird abgesägt, so dass gleich eine Menge der Löcher schon mal weg ist.


    Später habe ich diesen Entschluss fast bereut, da es ungemein schwierig ist, ohne entsprechende Hilfsmittel die neue Oberkante des Gehäuses wirklich eben zu bekommen, damit der Deckel auch wirklich wieder bündig schließt. Schleifen, kitten, beizen und mattieren war zunächst angesagt, schließlich sollte das Kistchen ja auch vernünftig aussehen, ohne gleich "neu" zu wirken!


    Die Literaturangabe beschreibt zwar die Schaltung, sagte nichts über Maße, Werte der Spulen etc. aus, anhand des Bildes konnte ich mir höchstens einen Reim auf die ungefähre Größe der Spulenkörper machen. Erst viel später erfuhr ich, dass es im Internet inzwischen eine Homepage gibt, die sich u.a. mit dem Selbsthau von solchen Uraltradios und ebendiesen sogenannten "Dr. Lehrtes Korbbodenspulen" beschäftigt.... - Jogis Röhrenbude.
    Als Spulenkörper käme Pertinax infrage, ja - wo keins ist, musste anderes Material her, aber welches hinsichtlich Verluste usw.? Zu dumm. Was solls, dann wird eben drauflos gearbeitet, mal sehen, was dabei herauskommt. Rettung brachten diese Karteieinlagen aus Hartfasermaterial. Zwei davon wurden übereinandergeklebt, damit alles hinreichend steif genug ist, dann wurde mit der Schere ausgeschnitten. Die Schlitze wurden mit einer Eisensäge "gefräst". Hmm, nach näherem Begutachten -also das sieht richtig "alt" aus....


    Gewickelt wurde die Antennenspule einfach "Pi mal Daumen", die fertige Spule ergab gemessen 620 uH. Naja, so ganz stilecht war das Wickeln auch nicht, pro Spule eine CD hören und da verging bei guter Musik die Zeit recht fix. Wäre damals nicht möglich gewesen.... Du meine Güte, wie die Spule aussieht! Ob da irgendwie was rauskommt? Bange Frage, also schnell einmal Drehko und Spule verbunden, eine Germaniumdiode angelötet, Antenne und Erde ran und Kopfhörer auf. Tatsächlich, es sind beim Durchdrehen zwei Sender zu hören! Sie überlagern sich zwar, aber egal, die Spule funktioniert also! Und das bei diesem doch sicherlich verlustbehafteten Aufbau!


    Die gemessene Kapazität des inzwischen gangbar gemachten Drehkondensators verrechnet mit der Induktivität ergibt den Mittelwellenbereich, irre, und das bei wirklich zufälliger Wahl der Spulenkörpers, des Drahtes und der Windungszahl ! Wenn das nichts ist ! Derart beflügelt, ging es ans Wickeln der übrigen Spulen und dann ans Verdrahten der Schaltung. Passende Widerstände hatte ich keine, wollte auch keine besorgen. wieder wurden die zusammengeschaltet, die gerade vorrätig waren. Hauptsache, die Endwerte stimmen. Beim Kondensator der Audionkombination am Gitter habe ich geschummelt - eigentlich gehört ein keramischer ran bzw. stilecht ein selbstgebastelter aus Hartgummi, Stanniol oder Igelit.....
    Aber meine Keramikkondensatoren sahen zu neu aus, also lötete ich einen nicht ganz so alten asphaltgetränkten Papierkondensator an.


    Und dann kam der Moment :
    Erste Inbetriebnahme mit Röhren, zunächst die NF-Stufe. Klopfenden Herzens, da ich die Röhren vorher nicht auf dem RPG (RöhrenPrüfGerät) geprüft habe - nicht prüfen wollte. Hätten sie es nämlich da schon nicht getan, wer weiß, ob ich dann nicht doch vergrämt gewesen wäre.... Und außerdem: 40 bis 80 Volt Anodenspannung auf dem Kopfhörer, einfach nicht dran denken, oder besser : den Kopfhörer vorher auf Isolation prüfen, besser ist das!

    Und die Stufe funktionierte! Einwandfreier Brumm am Gitter. Auch die Audioröhre heizt, prima, dann gings kurz und schmerzlos : Antenne einstecken, Erde anschließen und Anodenspannung nochmals langsam hochfahren.


    Mich brüllte fast der Kopfhörer an - jawohl, es spielt einwandfrei ! Rückkopplung mal anziehen, hui wie das pfeift! Die Rückkopplung setzt weich ein, "ohne Knacken oder Klatschen im Telephon, sondern als hauchartiges Geräusch". Wie war das noch, jetzt sende ich gerade.... Am Heizregler gespielt, lässt sich der Empfang nochmals verändern bzw. verbessern : Auch hier stimmt die Literatur die besagt, dass die Audionröhren völlig unterschiedliche Leistungen bei ein und derselben Röhrentype erbringen und dass nur individuelle Heizung im Zusammenspiel mit der Anodenspannung Maximalerfolge garantieren kann. Nein, es ist nicht Hifi oder digitales Radio, was da aus dem Kopfhörer kommt. Es klingt ein wenig blechern oder je nach Rückkopplungseinstellung "bis kurz vor dem Schwingungseinsatz" mehr oder weniger scharf. So also haben unsere Ahnen Radio gehört...

    Das wars nun, es spielt einwandfrei, keinerlei Abgleich und dergleichen sind nötig :
    Etwas wehmütig saß ich nun schon vor meinem "neuen" Radio.


    Gewiss, man könnte die Rückkopplungsspule ändern, ein paar Windungen runter.... Ob ich einfach nochmal so ein Radio baue? Es hat unheimlichen Spaß gemacht. Nein, das kann es eigentlich nicht gewesen sein - ich werde wohl nun auf Flohmärkten nach geeigneten Holzschatullen Ausschau halten.

    - Hier noch weitere Fotos eines weiteren vom Meikel erbauten Radio's, ganz offensichtlich fand er eine weitere Schatulle, in welchem er dieses Gerät einbauen konnte ..:






    Mikel schrieb mir zum zweiten Gerät :
    Das Radio mit Deckel - nun, zunächst sollte es auch ein offenes System like einer Vorgabe von Dir werden (nicht umsonst hatte ich mal nach Gehäuse bei Dir gefragt). Nachdem ich aber in Altensteig (Radio-Flohmarkt) in den Besitz dieses "Möfag-Gehäuses" gekommen bin, sollen also werkeln : REN 904 als Audion, REN 904 als NF-Vorstufe, RE 134 als NF-Endstufe (habe keine RES 164 mehr, seufz) und die RGN 354 als Gleichrichter.
    Die Schaltung entspricht eines alten Mende oder Telefunken, mit abgewandeltem Netzteil. - Zugegeben, der Drehko ist ein sehr neuer mit 500pF, aber ein schöner alter ist mir noch nicht unter die Fittiche gekommen, muss auch nicht sein!