Zweiröhren-Einkreisempfänger "Largo"

Schaut doch einmal in der Bastelkiste nach, Ihr werdet sicherlich die Bestandteile finden, die zum hier beschriebenen "Largo" erforderlich sind. Es fehlen die angegebenen Röhren? Auch hier sind die Variationsmöglichkeiten beim "Largo" so groß, daß sich sicher etwas finden läßt.
Die Einkreisempfänger waren ja schon viel früher beim Bastler sehr beliebt, da er gerade hier mit verhältnismäßig einfachen Mitteln wirklich ganz hervorragende Ergebnisse erzielen kann. Die Baukosten sind nicht hoch und der Erfolg bei einigermaßen sorgfältigem Aufbau hundertprozentig. Dazu kommt noch, daß man bei halbwegs günstiger Lage mit einem solchen Gerät noch ganz guten Fernempfang erreicht. Die beiden Hauptnachteile der Einkreiser, nämlich die mangelnde Trennschärfe und das Fehlen jeglichen Schwundausgleiches sind ja bekannt. Hier könnte aber nur mit einem wesentlich teureren und komplizierteren Mehrkreisgerät oder einem Super Abhilfe geschaffen werden.

Ich stelle hier die Baubeschreibung eines Gerätes vor, welches durch die wahlweise Verwendung verschiedenster Röhrentypen hervorragend für den Nachbau geeignet ist. Die günstigsten Ergebnisse lassen sich mit den Röhren AF 7 mit AL 4 oder EF 11 mit EL 11 und einer beliebigen Gleichrichterröhre z.B. RGN 1064, AZ 1 oder AZ 11 erzielen.

Das Versuchsgerät war mit den Röhren AF 7, AL 4 und AZ 11 bestückt und erzielte ganz hervorragende Empfangsergebnisse.
Selbstverständlich lassen sich, und das ist ja der Sinn dieser sehr wandlungsfähigen Bauanleitung, auch alle anderen Typen wie Röhren der Zahlenserie (z. B. RES 164 oder gar RE 074 als Endröhre) oder sogar Wehrmachtsröhren verwenden. Die sehr viel später erschienenen moderneren Röhren aus der Noval- oder 7-pol-Miniaturserie sind selbstverständlich auch geeignet.
Ich werde am Schluß dieser Bauanleitung eine Liste der Röhren vorstellen, die verwendet werden können. Diese Liste kann nicht vollständig sein, da ja wirklich fast jede Röhre zu verwenden ist.

Die Schaltung.
Natürlich kann sich die Schaltung nicht in wesentlichen Punkten von den üblichen 2-Röhren-Einkreis-Schaltungen unterscheiden. Der Eingangskreis ist für den Empfang von drei Wellenbereichen, also Kurz-, Mittel- und Langwellen, ausgelegt. Sollte eine starke Endpentode verwendet werden so macht sich diese besonders in der Tonqualität und beim Kurzwellenempfang nutzbringend bemerkbar. Die Wellenbereich-Umschaltung erfolgt durch Kurzschließen der nicht gebrauchten Spulen. Beim KW-Empfang sind also dementsprechend alle Kontakte des Wellenschalters geschlossen und nur die Spulen mit den Anschlußbezeichnungen 1, 2; 5, 6 und 9, 10 in Funktion.


Der Audionkreis ist in der gewohnten Weise in Widerstandskopplung ausgeführt. Als Anodenwiderstand dient ein 0,5-MOhm-Potentiometer, welches gleichzeitig als Lautstärkeregler füngiert.
Sehr wesentlich ist der 50-kOhm-Widerstand, der zusammen mit dem 2-F-Kondensator eine zusätzliche Siebung der Anodenspannung der Audionröhre bewirkt. Um auch einen sicheren Einsatz der Rückkopplung zu bewirken, muß verhindert werden, daß die Hochfrequenz einen anderen Weg als den über die Rückkopplungsspule nimmt. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Man schaltet entweder eine HF-Drossel oder einen Widerstand in die Anodenleitung der Audionröhre. Ich habe den leichter zu verwirklichenden und üblichen Weg gewählt und einen 10-kOhm-Widerstand genommen. Um Niedervolt-Elkos hoher Kapazität zu vermeiden, wurde halbautomatische Gittervorspannungs-Erzeugung gewählt. Dies ermöglicht es außerdem noch, falls keine indirekt geheizte Endröhre verwendet wird, eine direkt geheizte Triode oder Pentode zu verwenden. Es fällt dann nur die Leitung Kathode - Masse aus. Alle übrigen Verbindungen bleiben gleich.
Das Netzteil ist je nach der vorhandenen Endröhre (bei der AL 4 für ungefähr 40 mA) zu dimensionieren. Die Anodenspannung soll nicht mehr wie 260 Volt betragen. Der Netztransformator kann nach den verwendeten Röhren in seinen Daten bestimmt werden. Die Netzsiebddrossel soll einen geringen Gleichstromwiderstand (ungefähr 200 bis 300 Ohm) besitzen. Der Ausgangstransformator richtet sich ganz nach der verwendeten Endröhre.

Die Spulen.
Das nachfolgende Bild zeigt die Konstruktion der KW-Spule.


Diese wird auf ein Pertinax- oder Kunststoffrohr nach den angegebenen Maßen gewickelt. Die Rückkopplungsspule sitzt innerhalb auf einem kleineren Rohr und kann verschoben werden. Die günstigste Stellung wird durch probieren festgelegt und die Spule in dieser Lage dann durch Einschieben schmaler Isolierstreifen festgeklemmt.
Für den Mittel- und Langwellenbereich werden Ferritkernspulen verwendet, da dadurch die Trennschärfe ganz beträchtlich erhöht wird. Die Herstellung der Spulen ist absolut nicht schwierig.

Wicklungstabelle.

Wicklung

1 - 2

2 3

3 4

5 6

6 7

7 8

9 10

10 11

11 - 12

Windungen

3

5

40

7

68

225

5

6

30


Der Wicklungssinn der Rückkopplungs-Windungen (5 - 6, 6 - 7, 7 - 8) muß selbstverständlich entgegen dem der Gitterkreisspulen sein.

Der Aufbau des Gerätes.
Die Verteilung der Bestandteile wird natürlich weitgehend durch die Form und Größe der Einzelteile bestimmt, wobei selbstverständlich immer beachtet werden muß, daß die Gitter- und Anodenleitungen so kurz als möglich gemacht werden müssen. Es kommt nicht darauf an, daß das Gerät schön geschaltet ist, wesentlich ist, es hochfrequenztechnisch richtig zu schalten.
Als Drehkondensator wurde ein Luftdrehko verwendet, der sich sehr gut bewährt hat. Die nächste Skizze zeigt die Verteilung der Bestandteile im Versuchsgerät.


Die Siebdrossel montiert man am zweckmäßigsten unter das Chassis, wenn man mit kleinen Chassis-Abmessungen auskommen will. Die Anschlußbuchsen für Antenne und Erde wurden an der Rückseite angeordnet.
Die Mittel- und Langwellenspule werden unter dem Chassis neben der seitlichen Buchsenleiste auf einem Pertinaxstreifen so befestigt, daß die Eisenkerne wenigstens 2 cm vom Chassisblech entfernt sind. Die Kurzwellenspule ist neben dem Drehkondensator untergebracht, um sehr kurze Verbindungen im KW-Kreis zu erzielen.
Da die Endröhre leicht zur Selbstschwingung neigt, ist besonders darauf zu achten, daß die mit der Anode in Verbindung stehenden Leitungen nicht auf die Gitterleitungen einwirken können, um unerwünschte Rückkopplungswirkungen zu vermeiden. Beim Anschluß der Elektrolytkondensatoren ist auf die richtige Polung zu achten. Bei der Inbetriebsetzung des Gerätes ist es empfehlenswert, Anodenspannung und -strom der Endröhre zu kontrollieren, um die Röhre vor Überlastung zu schützen.
Wenn kein Schaltfehler unterlaufen ist und die verwendeten Bauteile in gutem Zustand sind, muß auf Anhieb Empfang zu erhalten sein. Bei den angegebenen Windungszahlen wird man sicheren Rückkopplungseinsatz erhalten.

Materialliste.
1   Drehkondensator 500 pF
1   Drehkondensator 300 pF
2   Kondensatoren 50 pF
1   Kondensator 2000 pF
2   Kondensatoren 50CO pF
1   Kondensator 20.000 pF
1   Kondensator 1F
1   Kondensator 2 F
1   Kondensator 0,1 F
2   Elektrolytkondensatoren 8 F
1   Kondensator 0,5 F
1   Kondensator 500 pF
1   Widerstand 10 kOhm
2   Widerstände 50 kOhm
1   Potentiometer 0,5 MOhm, log. - Wenn erhältlich, mit Schalter kombiniert
1   Widerstand 0,8 MOhm
1   Widerstand 1 MOhm
1   Widerstand 0,1 MOhm
1   Netztransformator 2 mal 270 V, 40 mA, 4V, 1A, 4 V, 2,5 A
1   Siebdrossel, 40 mA, 200 bis 300 Ohm
1   Sicherung 0,1 A
3   Röhrenfassungen
1   Spulensatz laut Beschreibung
1   Wellenschalter, 6polig, 3 Stellungen
Chassis
Röhren nach Wahl und Möglichkeit
Lautsprecher

Tabelle der Röhren, die verwendet werden können
und die dazugehörigen Werte von Rk und Rs.
Audion Endstufe Rs Rk
AF 7 AL 4 1 MOhm 150 Ohm
EF 12
EF 9
EL 11
EL 3
1 MOhm
1 MOhm
150 Ohm
150 Ohm
RV 12 P 2000
NF 2
RV 12 P 2000
NF 2
1 MOhm 500 Ohm
 
 
LV 1 110 Ohm
RL12T2 RL12 T 2 1000 Ohm
RENS 1204
RENS 1264
RENS 1284
RES 164 850 Ohm
RENS 1214
RENS 1234
RENS 1294
RE 074 2500 Ohm

Als Gleichrichterröhre kommt jede Gleichrichterröhre in Frage, die ungefähr 40 mA abgibt. In obiger Tabelle sind nur die wichtigsten "Oldie"-Röhren angegeben, es lassen sich aber fast alle üblichen Röhren verwenden. Der Schirmgitterwiderstand ist fast überall um 1 MOhm.

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