Leistungsfähiger Zweikreisempfänger mit drei Wellenbereichen

Genau wie im vorherigen Bauvorschlag - der Einkreisempfänger mit drei Wellenbereichen - werden hier die gleichen Spulensätze verwendet. Die Spulensätze, die der Volker mir schickte, beinhalten die (übliche) zusätzliche Wicklung für die Rückkopplung. Diese wurde aber weder im hier beschriebenen Einkreiser benötigt (das vergaß ich dort zu erwähnen) - sie wird auch in dieser Schaltung nicht benötigt. Wie immer bei guten Empfängerschaltungen, die auch für den Kurzwellenbereich ausgelegt sind, wird hier die Rückkopplung mit Rücksicht darauf auf anderer Weise geschaltet.

Hier nun der Originaltext und Schaltungen aus dem Buch von Werner W. Diefenbach - "Bastelpraxis", erschienen 1970 im Franzis-Verlag. Diese Schaltung erschien aber auch in der Reihe "Radio-Praktiker-Bücherei; RPB," im Band 79 / 79b.

Gegenüber dem Einkreiser zeichnen sich Zweikreisempfänger durch höhere Empfindlichkeit und Trennschärfe aus. Sie gehören zu jenen Empfängern, die beim Selbstbau keine allzugroßen Schwierigkeiten bereiten und noch verhältnismäßig einfach abzugleichen sind.
Vor dem Audion befindet sich der Hf-Verstärker mit der Pentode EF 93, der einen abgestimmten Vorkreis verwendet. Die Antennenspannung gelangt von der Buchse B 1 über den Verkürzungskondensator C l zur Antennenspule 1𦌿 des Spulenaggregates VK 7. Der Hf-Verstärker macht das Gerät antennenunabhängig und eichfähig. Da die Frequenzauswahl von zwei Abstimmkreisen vorgenommen wird, erhalten wir höhere Trennschärfe und infolge der hohen Verstärkung durch die EF 93 entsprechend größere Empfangsleistung. Der sich anschließende Demodulator die Audionstufe mit der EF 94 kann daher bis zur Aussteuerungsgrenze belastet werden.
Der Vorkreisspulensatz VK 7 ist ähnlich aufgebaut wie das schon beim Wechselstrom-Einkreiser beschriebene Spulenaggregat AK 7. Um den für hohe Empfindlichkeit und Trennschärfe erforderlichen genauen Abgleich am unteren Wellenbereichsende zu garantieren, sind für die einzelnen Bereiche Abgleichtrimmer T 1...T 3 zu den jeweiligen Spulen parallel geschaltet.


Die Hf-Stufe ist über die Spulen l𦌿 des Spulensatzes AK 7 induktiv an das nachfolgende Audion angekoppelt. Die Schirmgitterspannung für die Hf-Röhre erzeugt das Aggregat R 3, C 3. In den schaltungstechnischen Einzelheiten entsprechen die Audionstufe (EF 94) und die Endstufe (EL 90) weitgehend den beschriebenen Einkreisempfängern.
Gewisse Änderungen ergeben sich aus der Verwendung des Pentoden-Audions EF 94. Es besitzt gegenüber dem Triodenaudion (s. Einkreisempfänger mit 3 Wellenbereichen, "Bastelschule", mit der ECL 80) höhere Verstärkung und Empfindlichkeit, verlangt jedoch eine sorgfältige Einstellung der Schirmgitterspannung, da der Rückkopplungseinsatz vom richtigen Spannungswert abhängt, der in dieser Schaltung etwa 35 V ist. Ferner befindet sich im Anodenkreis der EF 94 das Hf-Siebglied R 7, C 9. Es hält etwaige Hf-Reste vom NF -Verstärker fern. Auch im Gitterkreis befinden sich parallel zu den Spulen Abgleichtrimmer. Beim Spulensatz AK 7 ist die Wicklung l𦌿 gleichzeitig Rückkopplungs- und Ankopplungsinduktivität. Für die Bereichsumschaltung KW, MW und LW benötigen wir hier einen Schalter mit 3 x 5 Kontakten.
Vor dem Steuergitter der Endpentode EL 90 befindet sich der Lautstärkeregler P 1 (mit Netzschalter S 1 kombiniert). Zur Verbesserung der Klanggüte verläuft von der Anode EL 90 zum Steuergitter ein Gegenkopplungskanal. Ein Teil der Ausgangsspannung wird so zurückgeführt, daß er in seiner Phase zur Eingangsspannung entgegengerichtet ist und diese Eingangsspannung verringert. Damit werden auch die nichtlinearen Verzerrungen herabgesetzt. Die Ausgangsspannung wird über R 13, C 13 zurückgeführt. C 13 ist mit 200 pF so bemessen, daß er für die tiefen Frequenzen unter 100 Hz die Gegenkopplung verkleinert. Da der Wechselstrom-Widerstand des Kondensators wächst, tritt eine Baßanhebung ein. Ferner bewirkt Kondensator C 12 eine Höhenanhebung. Er ist mit 100 pF so bemessen, daß die Gegenkopplung für die hohen Frequenzen kurzgeschlossen wird.
Im Netzteil dient zur Gleichrichtung der Anodenspannung der Brückengleichrichter B 300 C 75. R 15 ist Schutzwiderstand für etwaige Kurzschlüsse.
Das folgende Bild zeigt den betriebsfertigen Aufbau.


Nach der ersten Inbetriebnahme messen wir die Spannungen und Ströme. Dann kann der Abgleich des Empfängers beginnen. Es ist zwar möglich, nach dem "Gehör" abzugleichen und auf einen Hf-Generator und Ausgangsspannungsmesser zu verzichten, doch sollte auf jeden Fall ein Ausgangsinstrument verwendet werden, damit sich der Empfindlichkeitsgewinn genau beobachten läßt. Als Ausgangsinstrument können wir unser Vielfachmeßgerät benutzen, wenn es auf Wechselspannungsmessungen geschaltet ist. Als HF-Generator eignet sich der in der "Bastelschule" bereits beschriebene Multivibrator.
Gemäß der folgenden Schaltskizze verbinden wir die Ausgangsbuchsen des Multivibrators (Hf-Generator) mit der Antennenbuchse des Empfängers und schalten das Ausgangsinstrument an dessen Endstufe.


Das Outputmeter kann nach dem folgenden Bild entweder zwischen Anode und Masse der Fndröhre geschaltet werden es muß dann ein Gleichspannungs-Sperrkondensator 0,1 礔 angeordnet sein oder parallel zur Sekundärseite des Ausgangstransformators.


Wenn wir bei zu lautem Meßton den Lautsprecher sekundärseitig abschalten, so soll an seine Stelle ein Ersatzwiderstand entsprechender Belastbarkeit und Ohmzahl treten (z. B. 5 W, 4 Watt).
Das prinzipielle Abgleichverfahren ist schematisch im folgenden Bild dargestellt.


Wir gleichen grundsätzlich die Trimmer auf höchster Frequenz (z. B. 1600 kHz) und die Spulen auf niedrigster Frequenz üb (z. B. 550 kHz). In unserem speziellen Fall stimmen wir z. B. im KW-Bereich den Empfänger auf die höchste Frequenz ab. Arbeiten wir mit Multivibrator, so entfällt die Frequenzabstimmung, da dieser Generator ein Frequenzspektrum erzeugt, das sich u. a. auch über den gesamten KML-Bereich erstreckt. Wir drehen den Lautstärkeregler des Zweikreisers auf größte Lautstärke und den Ausgangsregler des HF-Generators (Multivibrators) auf maximale Spannung. Nun korrigieren wir die Eichung mit Hilfe des Trimmers T 4, bis Skalenzeiger und Skala übereinstimmen. Da die KW-Spulen 65 der Spulenbecher nachträglich nicht abgleichbar sind, trimmen wir jetzt durch Verändern von T 1 im Vorkreis die am Meßinstrument ablesbare Ausgangsspannung auf Maximum.
Nun schalten wir den Bereichsschalter auf MW und stimmen mit dem Drehkondensator auf etwa 550 kHz ab. Etwaige Korrekturen der Eichung lassen sich durch Verändern des Spulenkernes der Spule 54 (AK 7) vornehmen. Die Abgleichung des Vorkreises geschieht dann anschließend auf gleicher Frequenz mit Hilfe des Spulenkernes von 54 (VK 7), bis das Ausgangsinstrument maximalen Ausschlag anzeigt. In gleicher Weise verfahren wir mit dem kapazitiven Abgleich, indem wir mit T 5 die Eichkorrektur auf höchster Frequenz vornehmen und dann den Vorkreis auf maximale Trennschärfe und Empfindlichkeit trimmen (T 2). Schließlich müssen wir noch den LW-Bcreich nach der gleichen Methode abgleichen. Es empfiehlt sich, den ganzen Abgleich noch einmal zu wiederholen, um auf jedem Bereich maximale Empfindlichkeit und Trennschärfe zu garantieren.

Spezialteile des Zweikreis-Empfängers für Wechselstrom

Zweifach-Drehkondensator, Typ 359 (Telefunken/NSF)
Hartpapier-Drehkondensator, 250 pF (Hopt)
Je 1 Hf-Spulensatz VK 7, AK 7 (Dreipunkt, W. Hütter)
Wellenschalter, 4x5 Kontakte, Typ A 145
Netztransformator N 120/1 (Engel)
Selengleichrichter B 300 C 75 M (AEG)
Doppel-Elektrolyt-Kondensator 2 x 50 礔
6 Lufttrimmer, 3...30 pF (Philips)
Potentiometer mit zweipoligem Netzschalter, 1 MW log.
Doppelbuchsen (Mozar)
Röhren: EF 93, EF 94, EL 90

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